Zunächst einmal eine zugegeben etwas brutale These:
Nicht nur, daß er zu jeder Zeit von A nach B kommt, wahrscheinlich auch deutlich schneller, als mit dem Öffentlichen Verkehr (Ausnahme, ich habe es einmal von Harburg Rathaus bis Lattenkamp in einer halben Stunde geschafft.), er kann dabei auch laut Musik hören, sich eine in's Gesicht stecken (wie die kleine Anna sagen würde), sich seine Heizung so warm machen, wie er mag, und hat dabei sogar noch einen garantierten Sitzplatz.
Seine Umgebung muß ihm aber eine Unmenge Platz bereit stellen, wenn der Wagen fährt UND wenn er steht,so um die 23 Stunden. Dabei ist das Auto aber mit in der Regel einer Person (Im Schnitt rechnet mam mit 1,2 bis 1,4 Personen pro Auto) bei einem Platz und Raumangebot von 4 (bis 5) Personen deutlich unterbesetzt, plus Flächenverlust durch Motor- und Kofferraum. Kämen "Grüne Männchen" aus dem All vorbei und würden sich das ansehen, wäre ihr Urteil wohl, "Wie ineffektiv!". Der Vorwurf, den man den Öffentlichen Verkehrsmittel macht, wie würden ausserhalb der Hauptverkehrszeiten nur Heiße Luft durch die Gegend schleppen, gilt (Auch wenn das wieder etwas übertrieben ist) für das Auto den ganzen Tag! (Verweise dazu am Ende der Seite. Ein, für mich extremes, Beispiel für die Flächen-Umnutzung von aktiven auf passiven Verkehr, zeige ich hier.)
(Umweltschutz und Abgase lasse ich hier mal aussen vor.)
Trotzdem wird niemand von mir verlangen, wenn ich mit meiner geh-eingeschränkten Mutter vom Lattankamp zur Hamburger Straße mit der U-Bahn (und 2x Umsteigen) fahre. (Durch Parkinson geht sie wie ein Maschienengewehr, kommt aber weniger als halb so schnell, wie ich, vorwärts.) Vor allen Dingen, wenn beim Arzt vor der Tür zufällig passend ein Parkplatz frei ist. (Ich bin ein gläubiger Mensch und glaube daher nicht mehr an Zufälle. Danke Himmlischer Vater. Aber das nur nebenbei.)
Vor einigen Jahren habe ich mit dem Wachdienst angefangen. Ich kam in ein neues Objekt und mein Kollege fragte mich, wo ich wohne. (Genauer, ich sagte, "Ich ziehe in der nächsten Zeit nach Wedel.) Ich nannte ihm die Straße und er rief: "Na, in die kann ich ja fast hinein gucken!" Stimmt. Unsere Wohnungen waren ungefähr 300m voneinander entfernt (Bushaltestellle Kronskamp) und unser gemeinsamer Arbeitsplatz war am Überseering in der City-Nord (U-Sengelmannstraße oder Bus Manilabrücke, wer es nachrechnen möchte).
Er brauchte mit dem Auto ca. eine 3/4 Stunde, ich mit Öffentlichen 1 Stunde 5 Minuten, bis 1 Stunde 10. Irgendwann stellte ich fest, daß ich mit den Öffentlichen ca. die Hälfte an Zeit mehr brauche, als Dimi (Mein Kollege war Grieche und lies sich der Einfachheit wegen so von allen rufen.) mit dem Auto. Seitdem nenne ich dies den Dimi-Faktor ("Differenz-in der-Mobilitäts-Infrastruktur" mal so daher konstruiert, wenn jemand einen offiziellen Namen bräuchte.) Man kann schließlich nicht damit rechnen, daß man öffentlich schneller ist, als mit dem Auto und man kann diese Zeit ja auch nutzen und man steht (ausser man steht wirklich) nicht so unter Spannung, wie beim Fahren. Das war so (Gut, ich bin Öffentliche sehr gewohnt und kenne jede Bahnschwelle in Hamdurg mit Vor- Nachnamen (hust hust)) für mich in Ordnung.
Ergänzung dazu: Einige Jahre später zogen wir nach Schenefeld: Auto halbe Stunde, HVV eine ganze. (Auch weil ich hier zur Bushaltestelle die doppelte Zeit brauche um zum Bus zu kommen (Haltestelle Kreuzweg.) und ich in der Zeit mit dem Auto fast an der Autobahn (A23, Krupunder) bin.) Die doppelte Zeit ist mir der Övventliche Verkehr nicht wert, und so bin ich in der Regel mit dem Auto gefahren, selbst als ich zu dieser Zeit eine BahnCard100 hatte. Jetzt arbeite ich fast direkt an der S-Bahn Haltestelle Rothenburgsort. Die Fahrt mit dem Auto und die zwischen Station und Station, also ohne Fußwege an und ab, dauert fast gleich. (Hier vergesse ich mal die 2 Minuten, die mich das neue S-Bahn Liniensystem kostet :-( ) (Ich muß aber zugeben, daß ich trotzdem, wenn sich die Möglichkeit ergiebt, Auto fahre. Denn man hat irgendwie das Gefühl, man ist schneller.)
Grenzfall: Großeinkäufe. Sicher, das so berüchtigte "Mit dem S.U.V. Brötchen zu holen" ist genauso übertrieben, wie es in der Realität aller Verbrenner Gift ist. Verbrenner müssen erstmal "warm werden" bevor sie effektiv ihren Inhalt nach vorne bringen. Das ist in wenigen hundert Metern nicht geschafft. Und dann den Wagen im halb warmen Zustand wieder kalt zu machen... Kann das gut sein? Trotzdem: Die oben erwähnten 6er-Träger scheinen ja grade für das Auto gemacht zu sein. Selbst Bierkisten lassen sich einfacher tragen. Aber selbst bei vier vollen Tüten beginnt es schwer und anstrengend zu werden. Lastenfahrräder wären gut, aber wer hat so große Keller zu Verfügung. Und Bringdienste (Vom Supermarkt zum Kunden) sind noch nicht so eingeführt. Supermärkte, die gleich zum Kunden kommen sollten nur dort effektiv eingesetzt werden, wo man wirklich weit ab vom Schuß ist! Die kleinen "Tante Emma"-Läden zu verlieren war schon schlimm genug.
Ich bin auf diese Gedankengänge erst durch meine Begegnug mit Dimi und die Gedanken darumherum gekommen. Haben sich dies mal andere Autofahrer gemacht? Ich denke nicht. Da sie, wie gesagt, jederzeit von A nach B kommen und das ja auch funktioniert, warum sollten sie (Also die echten Autofahrer.)? Aber: Eine informierte und dann entschiedene Entscheidung ist sicher besser, als eine nur aus Gewohnheit und "es geht ja".
Im japanischen Schwertkampf, Kendo, zählt nur ein Punkt, wenn der Angriff gewollt, gezielt und geplant war. Wenn wir dies auf den Autofahrer übertragen könnten, wäre sicher einiges gewonnen. Denn auch das Auto hat seinen Sinn.